Krkonoše (tschechisches Riesengebirge)


Der Eine Gruppenreise im Herbest 2017 förderte ein tieferes Interesse an der Gegend um Špindleruv Mlýn (Spindlermühle) zutage. Soweit wie möglich verwende ich die heutigen tschechischen Stadtnamen und setzte die alten deutsch-österreichischen Namen in Klammern hinzu. Hintergrund ist einfach, das teilweise in Navi-Apps die alten deutschen Namen verwendet werden. Das macht die Orientierung nun nicht ganz einfach, denn Reichenberg findet man nicht auf der Ortstafeln.
Nach längerer Suche fand sich eine Möglichkeit zur Buchung in Spindlermühle für Ostern 2018. Aus Richtung Berlin gibt es dorthin zwei sinnvolle Routen. Entwerder über das polnische Luban (Lauban) und dann nach Harrachov (Harrachsdorf) oder direkt über Liberec (Reichenberg). Die Wahl für die Hinfahrt fiel auf die Route über Luban und als man auf polnischer Seite auf den Kamm des Riesengebirges kletterte begrüßte uns Anfang April erst wenig und dann ausreichend Schnee für Skifahren. Auf teschicher Seite lag dann in den Höhenlagen genug weiße Masse und in den Tälern zeigten sich die kleinen Wasserläufe noch gut vereist. So begrüßt führte die Fahrt über Vrachlabí (Hohenelbe) nach Spindlermühle, wo nicht nur der Winter noch einige Freuden darreichte, sondern auch das Navi für die eine oder ander Überraschung gut wahr. Als dann der richtige Weg gefunden war, entschädigte dann der Blick ins Tal für alles. Anfang April waren die Straßen glücklicherweise schneefrei, aber auf Grund der Schneelage ist die Ausschilderung der Straßen mit Schneekettenpflicht sehr leicht nachvollziehbar. So aber waren in der Woche Ausflüge in die Umgebung von Spindlermühle und nach Harrachov, Liberec, Vrchlabí und Dvur Králové nad Labem möglich. Auch für "schlechtes Wetter" ist vorgesorgt und so verfügt Spindlermühle über zwei Schwimmbäder. Eines davon war jedoch, wie einiges Andere auch, im April zur technischenischen Überholung stillgelegt und so führte der Weg nach Jablonec nad Nisou (Gablonz an der Neiße) in das dortige Schwimmbad und stellte die Jugend voll zufrieden.
Ein Jahr später und etwas später im April war wiederum eine Reise nach Spindlermühle angesagt. Dieses Mal führte der Weg in den Ortsteil Svatý Petr (Sankt Peter). Aber nicht nur er, sondern die gesamte Gegend zeigte sich deutlich frühlingshafter als im Jahr zuvor. So grünte es überall und auch die letztes Jahr noch winterhaften Ecken in Harrachov oder Dvur Králové nad Labem nad Labem zeigten sich nun erheblich grüner. So führten die Ausflüge nicht nur zu den bekannten Zielen, sondern auch auf den Snežka(Schneekoppe), nach Trutnov (Trautenau) und Tanvald (Tannwald).

Špindleruv Mlýn (Spindlermühle) liegt im Tal der Elbe am Fuße des Riesengebirges. Der Ort selbst besteht aus mehreren Ortsteilen beidseitig der Labe (Elbe) und des Svatopetrský potok (Grund- oder Klaussenwasser) welches in Spindlermühle in die Elbe mündet. Zum Zweck des Hochwasserschutzes liegt am talseitigen Ende von Spindlermühle die Krausebauden-Talsperre unterhalb des Ortsteiles Labská. Diese Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete Talsperre ist derzeit abgelassen und wird saniert. Dank des fehlenden Wassers war sie Anfang April nahezu komplett zugefroren. Als jedoch die Schneeschmelze in den Bergen einsetzte, konnte man zusehen wie das Eis brach. Aber auch jetzt war es nicht möglich den Stausee zu Fuss zu umrunden, denn die Skipisten aus Svatý Petr (Sankt Peter), die am Beginn des Stausees endeten, waren noch in Betrieb und diese konnten nicht überquert werden. Folgt man der Elbe in Richtung Quelle, so kommt man nicht nur in die Ortsmitte von Spindlermühle, sondern trifft auch auf die weiße Brücke, welche die Ortsmitte dominiert. Hier teilen sich auch die Strassen und folgen den Wasserläufen. Entlang des Grundwassers kommt man nach St. Peter. Folgt man der Elbe so kommt man zu den Straßen die zu den Hotels am Berg führen, sowie zu den Pisten auf dem Medvedín im Ortsteil Bedrichov (Friedrichsthal) und zum Aquapark. Danach windet sich die Straße entlang der Elbe ins Riesengebirge und trifft als nächstes auf die Mündung der Bílé Labe (Weiße Elbe) in die Elbe. Das dort befindliche Restaurant ist auch über den Fußweg auf der anderen Seite der Elbe zu erreichen und ein lohnendes Ziel einer Wanderung. Auch dieser Weg führt an den Pisten vom Medvedín vorbei und war auch zu dieser Zeit noch tief verschneit. Daher war der Kletterpark noch nicht einladend, was jedoch durch eine kleine Baude dahinter mehr als ausgeglichen wurde. Dank eines Kaminofens gut gewärmt lud sie zu einer gemütlichen Einkehr ein. Zurück im Ort führt der Weg wieder über die weiße Brücke zur Ortsmitte und von dort die schmale und teilweise gesperrten Straßen die Hänge hinauf zum Hotel.

Der Ortsteil Svatý Petr liegt etwas Abseits von Spindlermühle und ist der älteste Ortsteil. Bereits 1516 ist dort Erzbergbau nachgewiesen. Wie auch an anderen Orten des Riesengebirges wurde Silber und Kupfer gefödert. Daran erinnert noch heute die Lore im Ort und auch die Barbara-Kapelle am Ende des Ortes. Der Ort selbst ist heute über die Hänge des Kozí hrbety (Ziegenrücken) verstreut und besteht aus vielen Pensionen und Hotels.

Harrachov (Harrachsdorf) an der Fernstraße 10 von Polen nach Tanvald (Tannwald) besteht eigentlich aus mehreren Ortsteilen. Interessant für die Ausflüge sind Harrachov und Nový Svet (Neuwelt). Der Bahnhof der Stadt liegt dagegen etwas abseits im Ortsteil Mýtiny (Strickerhäuser) an der Bahnlinie Tanvald - Jelenia Góra (Hirschberg), die eine der ersten elektrischen Strecken im Bereich der Deutschen Reichsbahn vor 1945 war. Heute ist die Strecke, nach jahrzehntelanger Unterbrechung, wieder in Betrieb und wird auf tschechischer Seite mit Dieseltriebwagen bedient. Der Weg zum Bahnhof führt durch dichten Wald, welcher im Winter eine malerische Kulisse mit Blick auf die Skisprungschanzen von Harrachov ergibt.
Im Ortsteil Nový Svet findet sich die Glashütte Novosad die die jahrhundertalte Tradition der handwerlichen Glasherstellung fortsetzt. Neben Sonderanfertigungen werden dabei viele Trinkgläser in traditioneller Herstellung erzeugt und teilweise auch vor Ort im eigenenen Geschäft verkauft.
Gleich nebenan findet sich die Kapelle St. Elisabeth. Nicht das sie von außen im Baustill auffällig wäre, hat sie vieles im Detail verborgen. So zeugt ihr Inneres von der traditionellen Glasherstellung und auch das Glockentürmchen ziert eine gläserne Glocke.
In Harrachov selbst liegen die Skisprungschanzen und beginnt der Weg zum Mummelfall. Dieses ist ein Wasserfall im Zuge der Mumlava (Mummel), hier stürzt das Wasser einige Meter tief und gerade im Winter ergibt sich ein beeindruckendes Bild. Der Weg dorthin führt gut einen Kilometer durch den Wald und erfordert im Winter geeignetes Schuhwerk. Dafür wird der Wanderer jedoch mit einem beeindrucktendem Bild aus Wasser und Eis belohnt.
Ein Jahr und etwas mehr später zeigt sich der Mummelfall noch beeindruckener als halb zugefroren. Auch zeigt sich die Wildheit der Mummel nun, denn der Weg oberhalb des Wasserfalls war bei Schnee nicht mehr begehbar. Oberhalb der Falles fließt die Mummel wild und fällt auch immer wieder einzelne Meter.

Der Ausflug nach Liberec (Reichenberg) führte direkt in die Innenstadt mit seinen historischen Bauten. Viel wichtiger war jedoch für einen Teil der Familie die angehäuften Shopping-Malls. Die Enttäuschung war jedoch groß, denn die internationalen Produkte waren umgerechnet fast genauso teuer wie in Deutschland. Einzig die einheimischen Produkte wurden genossen und es erfolgte ein Rundgang durch die Altstadt, vorbei am Rathaus am námestí Doktora Edvarda Beneše und die Pražská herunter. Das Ziel war natürlich wieder eine Shopping-Mall am Revolucní. Das lies sich fast nicht vermeiden, denn die Altstadt ist recht übersichtlich und so musste auch nicht die reichlich verkehrende Straßenbahn genutzt werden. Zurück ging es über die Moskevská zum Ausgangspunkt.

Am Fusse des Riesengebirges liegt Vrachlabí (Hohenelbe). Hier zweigt nicht nur die Fernstraße 295 nach Spindlermühle ab, sondern die Elbe verlässt auch das Riesengebirge. Das historische Zentrum um den Marktplatz mit dem heutigen Riesengebirgsmuseum ist relativ schwer auf den Karten zu finden. Hat man jedoch die Krkonošská (Hauptstraße) gefunden, so wird man mit dem alten Rathaus, sowie dem Schloß und seinem Park entschädigt. Aber auch mit vielen liebevoll restaurierten Häusern und auch gut angepassten Neubauten aus sozialistischer Zeit. Den Marktplatz beherrscht wie in alten Zeiten die Sankt Laurentiuskirche mit der Mariensäule. Auch wenn derzeit der gesamte Bereich eine Straßenbaustelle ist, so wird das demnächst ein komplettes Ensamble sein. Die Kirche auf der einen Seite, die Häuser des Museums auf der Anderen. Das Museum selbst stellt einen Abriss der Geschichte der Region bis heute dar. Dabei wird selbst die komplizierte Geschichte zwischen den Weltkriegen nicht ausgespart.

Am Rand von Dvur Králové nad Labem (Königinhof an der Elbe) liegt sich auf einem Hochplateau ein Zoo und Safaripark. Safaripark deshalb, da ein Teil des Parks nur mit einem Fahrzeug zu besichtigen ist. Jedoch ist der restliche Teil gut zu Fuß zu erkunden und ein gut ausgebauter Rundweg führt zu Kleingetier, Kamelen, Löwen, Nashörnern, Zebras und Giraffen. Vorbei an Affen und einem Strechelzoo endet der Rundgang wieder am Eingang mit seinem großen Spielplatz. Auch wenn sich die Giraffen und Nashörner, genauso wie die Löwen bereits in der Frühjahrssonne das Fell wärmten, war es jedoch noch Anfang April zu früh für den Spaziergang. Einige Tiere waren noch im Winterquartier und die Gehege, wie auch ein Teil der Vegetation, waren noch im Winterschlaf.
Hier nun ein Jahr und etwas später zeigt sich nicht nur der Tierpark etwas grüner, auch der Weg führt dieses Mal an der zweiten Staustufe der oberen Elbe etwas oberhalb von Dvur Králové nad Labem vorbei. Dank des schönen Wetters sind nicht nur Staumauer und Krafthaus ein Anziehungspunkt, sondern auch die anliegenden Biergärten. So ist dort kein Parkplatz zu finden, sondern auch das passieren der schmalen Straße ein zeitaufwendiges Unterfangen. Wartezeiten auf beiden Seiten der Staumauer sind vorprogrammiert, denn die Straße auf der Mauerkrone ist einspurig. Dafür genießen nicht nur die Besucher des Tierparks das Grün und die Sonne, sonndern Elefanten, Erdhörnchen und Erdhörnchengruppen, aber auch allerlei Wasservögel. Dagegen sind die Menschenaffen bereits in den Schatten geflüchtet. Verkaufsschlager für die Besucher waren dagegen kalte Getränke und Eis.

Die höchste Erhebung des Riesengebirges ist der Snežka(Schneekoppe) mit 1603m. Genau über dem Gipfel verläuft heute die Grenze zwischen Polen und Tschechien und so ist es dort möglich im Minutentakt die Grenze ohne jegliche Kontrolle zu passieren, denn die Poststation ist tschechisch, das Restaurant jedoch auf der polnischen Seite.Der einzige einfache Zugang ist über die tschechische Seite durch eine Kabinenseilbahn. Seit Ende der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts verbindet diese Pec pod Snežkou (Petzer) mit dem Gipfel. Dabei wird die Zwischenstation Ružová hora (Rosenberg) ohne Umsteigen passiert.Entsprechende Aufkleber finden sich in den Kabinen, denn die Türe der Kabine öffnet sich dort. Die heutige Kabinenbahn ist in den 2010er-Jahren als Ersatz für den ursprünglichen Sessellift entstanden, aus Rücksicht auf die Natur ist die Kapazität jedoch gleich geblieben. Die heutige Talstation, ist im Gegensatz zur alten Station weiter zur Stadt gerückt und deutlich großzügiger. Von dort geht es mit kleinen Kabinen den Hang hinauf zur Zwischenstation in 1354m. Dort findet eine 90°-Wende statt und es geht dem Gipfel und damit dem Schnee entgegen. Mitte April fand sich dort oben davon noch reichlich und so war nicht nur der Ausgang beidseitig mit Schnee eingerahmt, sondern auch der gesamte Gipfel war alles ander als schneefrei. Das Restaurant, auf polnischer Seite, war dankt einer Verwehung nicht zu betretten und somit geschlossen. Die tschechische Poststelle war zwar geöffnet, jedoch teilweise tief verschneit. Dank der kalten klaren Luft war die Aussicht von dort weit nach Polen und ins tscheschische Riesengebirge möglich. Zu beachten ist jedoch auf jeden Fall die Internetseite der Seilbahn, denn mindestens der zweite Streckenteil ist auf Grund der klimatischen Verhältnisse öfter eingestellt und auch die Temperaturunterschiede sind teilweise nicht ohne, so hatten wir 15°C im Tal und auf dem Gipfel -1°C. Da kein Wind herrschte für die Bahn auf bis zum Gipfel, dieses ist jedoch im April nicht selbstverständlich.

Die Stadt Trutnov (Trautenau) ist die Bezirkshauptstadt des gleichnamigen Bezirkes in dem Spindlermühle liegt. Der Kern der Stadt gruppiert sich um den Platz des Rübezahlbrunnens. In den Arkaden der malerischen Altbauten befinden sich eine größere Anzahl von Einzelhandelsgeschäften, diese waren jedoch am Ostersamstag alle geschlossen und so lud "nur" eine Eisdiele bei schönstem Sonnenschein zum Verweilen ein. Selbst die Brauerei Krakonoš am Rande der Altstadt zeigte sich in einer österlichen Ruhe. Als Entschädigung bot sich ein Eis mit herrlicher Rundblick über den Platz mit dem Brunnen, der historischen Pestsäule, dem Denkmal für Kaiser Josef II sowie dem alten Rathaus. Eine weitere Entschädigung ist die kaholische Kirche der Jungfrau Maria mit ihrem gut restauriertem Inneren, nicht nur Orgel und Altar sind eine Augenweide, auch das gesamte Kirchenschiff macht einen hervorragenden Eindruck und lädt nicht nur katholische Gläubige zum Verweilen ein.

In Tanvald (Tannwald) beginnt die Eisenbahnstrecke die wie früher über Korenov (Grünthal bzw. Polaun) und Harrachov (Harrachsdorf) nach Szklarska Poreba Górna (Ober-Schreiberhau) und Jelenia Góra (Hirschberg) führt. Diese Nebenbahn, von Jelenia Góra bis Korenov, war früher unter Zackenbahn bekannt und eine der ersten Strecken die von der Deutschen Reichsbahn elektrifiziert wurden. Die Fahrleitung ist zwar heute abgebaut, doch die damals gewonnenden Erkenntnisse sind in die nachfolgenden Fahrzeuge eingeflossen. Der Abschnitt Tanvald bis Korenov ist als Tannwalder Zahnradbahn bekannt, wird heute jeodch nicht mehr regelmäßig mit Zahnradlokotiven befahren. Die Fahrzeuge sind erhalten und die Strecke steht unter Denkmalschutz und so findet an ausgewählten Tagen ein Sonderverkehr statt. Der normale Verkehr wird nach der Streckenmodernisierung von Liberec über Tanvald nach Harrachov oder ins polnische Szklarska Poreba Górna derzeit mit Stadler Pankow Triebwagen vom Typ Regio-Shuttle RS1 (CD-Baureihe 840) im Takt abgewickelt. Der Bahnhof Korenov ist für die Gegend recht groß und heute befindet sich dort ein Eisenbahnmuseum das die Geschichte dieser Strecke darstellt. Die Größe selbst dürfte von der früheren Verknüpfung der beiden genannten Strecken her rühren, ist aber heute nicht mehr nachvollziehbar.


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©Axel Schmidt 2018
2019-06-16-01