Occitanie (Languedoc-Roussillon)


Diese Region im Süden Frankreichs wurde das erste Mal im  Jahre 2000, auf Einladung, bereist. Da in diesem Jahr die Weltausstellung EXPO in Hannover stattfand, ergab sich eine interessante Reiseroute, denn als Randbedingung galt eine möglichst billige Bahnfahrt von Berlin nach Narbonne, da wir in einer Gruppe fuhren und auch nicht so zahlungskräftige Teilnehmer dabei waren. Dieses bedeutete, im Bereich der Deutschen Bahn, wurde auf das "Schönes Wochenend"-Ticket zurückgegriffen. Dieses, so sollte bekannt sein, gilt für alle Fahrten im Regionalverkehr und nun schließt sich der Kreis zum Thema EXPO. Da die Deutsche Bahn zur damaligen Zeit das Bundesland Niedersachsen fast vollständig für dieses Ticket gesperrt hatte, ergab sich eine sehr interessante Reiseroute:

Berlin - Magdeburg - Sangershausen - Kassel - Frankfurt/M. - Rheintalstrecke - Appenweier - Strasbourg - Narbonne

Auf deutscher Seite bedeutet jeder Ort auch ein Umsteigepunkt, wobei eigentlich immer genügend Zeit eingeplant war den Anschlusszug zu erreichen. Um es vorweg zu nehmen, es gelang auch, aber wurde teilweise sehr knapp, denn die Züge besonders bis Frankfurt/M. waren sehr voll und damit verspätet.

Je dichter wir jedoch an Strasbourg heran kamen, je besser stimmte der Fahrplan und so konnte dann doch die geplante Pause in Appenweier gemacht werden. Leider waren wir in den Sommerferien unterwegs und das galt auch für diesen kleinen Ort, Ferien fast alle Restaurants waren geschlossen oder hatten eingeschränkte Öffnungszeiten die nicht in unsere Fahrplanlage passten, wir fanden dann doch eine Pizzeria und damit war der Abend gerettet.

Wohl gestärkt ging es dann zum Bahnhof und zur letzten Etappe auf deutscher Seite, so dass wir pünktlich in Strasbourg und damit den Nachtzug nach Portbou erreichten. Dieser brachte uns pünktlich nach Narbonne, wo wir erwartet und abgeholt wurden. Die nächsten 14 Tage brachten uns eine Rundreise durch die Region mit Ausflügen nach Toulouse, Narbonne, Lagrasse, Carcassonne, der Mittelmeerküste und in die Montagne Noire (den schwarzen Bergen).

Nach 14 Tagen wurde die Rückreise, wiederum per Bahn angetreten und auf besonderen Wunsch, wurde auch ein Abstecher nach Paris mit aufgenommen, somit ergab sich eine Reiseroute:

Narbonne - Nîmes - Paris - Baden-Baden - Rheintalstrecke - Frankfurt/M. - Kassel - Sangershausen - Magdeburg - Berlin

Während dieser Reise wurde bereits beschlossen, diese Gegend erneut zu bereisen, denn die einzelnen Abstecher nach Arques, Lagrasse, Trèbes und andere kratzten höchstens an der Geschichte der Region, die man überall dort fand und sich mit Katharer, Kreuzzügen, Inquisition und Okzitanien umschreiben lässt.

Wie schnell aus dem Wunsch Wirklichkeit wurde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkennbar, soll aber an dieser Stelle nicht berichtet werden. Es ergab sich jedoch, dass nun in den folgenden Jahren mehr oder weniger regelmäßig Sommerreisen in diese Region mit PKW und / oder Autoreisezug erfolgten. Von einem kleinen Ort im weiten Tal der Aude, wurden dann Ausflüge bis zum Étang de Thau bei Sète und ins Corbières bis nach Perpignan unternommen.

Die Erlebnisse waren doch immer unterschiedlich, jedoch traf man immer wieder auf freundliche Menschen und lernte die Gegend immer mehr kennen, einschließlich ihrer Geschichte. Mittlerweile sind nun auch Orte und Gegenden wie Minerve (im Minervois), das Haute Vallée, Cabardés, Lauragais, Béziers oder Fontfroide keine unbeschriebenen Blätter mehr, auch weiter entfernte Orte wie Millau, Albi oder das Ariège mit Mirepoix und Foix werden nach und nach einbezogen.

Ein Erlebnis ist natürlich immer die Anreise und Abreise mit dem Autoreisezug. In einem Jahr ging es nicht ab Berlin, so musste in Hildesheim der Zug bestiegen werden, auch das war schon ein Erlebnis, denn mit Kind und Kegel, Treppen runter und rauf, na ja..., da war die Autoverladung ein Kinderspiel! Im Zug angekommen, wurde dann relativ schnell klar, warum man nun nicht unbedingt in klimatisierten Wagen die Fenster öffnen sollte, die Klimaanlage versagte erst einmal ihren Dienst und die Sommerwärme war dann im Wagon. Am nächsten Tag wurde aber erholt Narbonne erreicht und abgeladen, so dass Mittags jener kleine Ort erreicht wurde.
Ein anderes Mal wurde ein Autotransportwagen in das Gleisbett gedrückt, nun gab es reichlich Verspätung, aber in Berlin war die fast aufgeholt und dafür als ungeplante Entschädigung fuhr in Narbonne auch noch ein historischer Zug durch.
Wieder mal ein neues Erlebnis, nicht nur das der Zug verspätet abfuhr und dann auf Grund einer Gleissperrung vor Bitterfeld um das halbe südliche Berlin fuhr, kam er auch deutlich verspätet an. Bis Avignon war die Verspätung schließlich über Nacht "reingefahren" worden, aber dann ging es los. Hieß es auf französisch in jedem Bahnhof zwischen Beziers und Narbonne gäbe es eine technische Störung und die Strecke sei gesperrt, stand dann am nächsten Tag in der Zeitung, das ein TGV leichte bis schwere Probleme mit der Stromversorgung hatte. Das bedeutete für uns längere Aufenthalte in Montpellier, Sète und Béziers und glücklicherweise keinen Aufenthalt auf freier Strecke. Letztlich durfte man dann noch in einen gut gefüllten Nahverkehrszug der SNCF umsteigen, denn auch diese durften ja warten, nur immer etwas kürzer als der Autozug und TGVs und Corails wurden allen vorgezogen, aber auch hier galt zum Schluß waren wir in Narbonne und hatten unser Auto, nur mit dem Einkaufen wurde es etwas knapp, schließlich waren wir statt mittags erst am späten Abend in unserem gallischen Dorf. Einzig der Umweg über Saarbrücken spielte keine Rolle, denn über Kehl und Strasbourg geht es im Moment nicht, die Rheinbrücke wird erneuert.

Einige Jahre später, die Autoreisezüge sind leider längst Geschichte, fiel das Ziel in den Hérault, in die Nähe von Sète am Mittelmeer. Hier lag das Meer fast vor der Haustür und so waren die, nun mittlerweile recht großen, Kinder auch zufrieden. Das Wichtigste gab es hier am Strand zuhauf: Muscheln in jeder Form und ganz besonders die Gedrehten. Auch waren die Ziele in den Cévennes und dem Gard dadurch deutlich näher, nebenbei gab es auch noch viel Kleingetier, denn es ist ein Bauernhof auf dem Land, am Rand der Stadt Frotignan.

Auch über andere Erlebnisse lässt sich erzählen, auch wenn hiervon keine Bilder vorliegen. So ist in jenem kleinen Ort auch schon einmal eine Kaffeemaschine drauf gegangen, nur weil während eines Gewitters der Blitz meinte den benachbarten Kirchturm treffen zu müssen, da die Hauptsicherung sehr empfindlich ist war natürlich diese ausgefallen und man durfte sich im Dunkeln auf die Suche machen, wo denn der Defekt sei, bis dann die Kaffeemaschine isoliert wurde.
Auch trifft man ab und zu Tiere an die eigentlich noch weiter südlich erwartet würden, so leben dort bereits kleine Skorpione und ab und zu trauen sie sich aus der Deckung und erscheinen auf der Bildfläche. Die Frage ist nur wer hat mehr Angst vor wem, der Mensch oder das Tier, denn sobald auch nur die leiseste Gefahr droht sind sie wieder verschwunden.

Nun die Seite wird so lange nicht fertig sein, so lange man dorthin fährt, auch sind das hier alles persönliche Eindrücke und geben bei Leibe kein Gesamtbild wieder.

Als beste Reisezeit hat sich nun für uns der Juni herausgestellt, denn das Klima ist für den Sommer noch am Besten auszuhalten, später wird das Klima dann heiß und trocken und hält sich so bis in den September.


Axel Schmidt 2006.

2018-10-03-01